Low-Profit

Das Thema Low-Profit ist finanzwirtschaftliches Neuland. Es ist der Versuch, die Lücke zwischen Non-Profit und For-Profit zu schließen, zwischen gemeinnützigem und gewinnorientiertem unternehmerischen Handeln. Es geht um die Frage:

Wie kann man Investitionen finanzieren, die nur eine Rendite zwischen Null und 3% und Jahr erbringen, dafür aber einem sozialen und ökologischen Zweck dienen?

Drei gute Gründe, sich mit dem Thema zu befassen
  • Die anhaltende konjunkturelle Schwäche
  • Die zunehmende Komplexität öko-sozialer Zusammenhänge
  • Gemeinwohlziele erreichen, z. B. Klimaschutzziele
blog-solaraEin Beispiel

Angenommen, Sie gehören einem Verein, einem Unternehmen oder einer Institution an und möchten eine Solaranlage anschaffen. Nachdem Sie alle künftigen Ein- und Ausgaben gegenüberstellt haben, kommen Sie zu dem Ergebnis, dass die Anlage nur eine durchschnittliche Verzinsung von 1-2% im Jahr erbringt und damit aus klassischer Sicht unrentabel ist.

Was nun?
  • Nach technischen Alternativen suchen?
  • Der Wirtschaftlichkeit Vorrang geben oder der Umwelt zuliebe trotzdem investieren?
  • Alternative Finanzierungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen?
  • Fördermöglichkeiten ausloten?
Günstige Rahmenbedingungen schaffen

Das obige Beispiel zeigt, dass beim Thema Low-Profit guter Willen und Eigeninitiative gefragt sind. Doch wie kann man gewinnorientierte Unternehmen dazu bringen (Aktiengesellschaften, GmbH), auf Low-Profit-Basis zu operieren? Zwei wirtschaftspolitische Instrumente sind besonders geeignet, um günstige Rahmenbedingungen für Low-Profit-Investitionen zu schaffen.

Instrumente

1)   Eine Vermögensteuer auf risikofreie Anlagen (Tages- und Festgeld, Staatsanleihen u. a.)
anstelle der bisherigen Zinsertragsteuer (Kapitalertragsteuer) bringt dem Staat nicht nur zusätzliche Einnahmen sondern hat darüber hinaus auch eine Lenkungsfunktion: InvestorInnen korrigieren ihre Rendite-Erwartungen „nach unten“ und sind eher bereit, sich an Unternehmen zu beteiligen, die Low-Profit-Investitionen durchführen. Ein Steuerfreibetrag ermöglicht steuerfreies Sparen im Rahmen des Freibetrags und schützt so die KleinsparerInnen.

Bei einem Vermögensteuersatz von 3% und Jahr und einem Freibetrag von 200 000 € würde nur dasjenige Geldvermögen besteuert, das über den genannten Freibetrag hinausgeht.

2)   Zinsverbilligte Förderkredite können Haushalten, Vereinen und Unternehmen helfen, Low-Profit-Investitionen fremdzufinanzieren. Dies kann ein normaler Bankkredit sein, der vom Staat bezuschusst wird, um die Kreditzinsen zu reduzieren. Gefördert werden nur jene Investitionen, Unternehmen und Branchen, die strenge soziale und ökologische Standards einhalten, z. B. die ökologische Lebensmittelwirtschaft oder erneuerbare Energien.

Das Bild unten verdeutlicht das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure

InvestorInnen stellen Eigenmittel für Low-Profit-Investitionen bereit. Eine Vermögensteuer auf Bankguthaben und andere sichere Geldanlagen fördert die Bereitschaft, in reale Werte zu investieren. Auch ein Bankkredit kann zur Finanzierung beitragen, wenn der Staat einen  Zuschuss gewährt, um die Kreditzinsen zu reduzieren (Förderkredit).

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