Beiträge 2021

Beitrag im Sammelband

Im Springer-Verlag ist der Open Access Sammelband „Wirtschaft neu lehren – Erfahrungen aus der pluralen, sozioökonomischen Hochschulbildung“ erschienen, mit 19 Beiträgen auf über 300 Seiten, darin auch ein Artikel von mir zum Thema Low-Profit, den ich zusammen mit Annika Weiser von der Uni Lüneburg verfasst habe.

Dem Band liegt die Intention zugrunde, Lehrende, Studierende und Interessierte miteinander ins Gespräch zu bringen, mit kritischen Reflexionen der eigenen Lehr- und Lernerfahrung und konkreten Praxisbeispielen aus dem Bereich der sozioökonomischen Hochschullehre.

Beiträge 2020

Das Thema Low-Profit auf Youtube

Mein Vortrag zum Thema „Der Low-Profit-Ansatz für eine nachhaltige Postwachstumsökonomie“ auf der ADRA Nachhaltigkeitskonferenz Ende August 2020 in Darmstadt

Blog Postwachstum

Neuer Beitrag auf dem Blog Postwachstum des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zum Thema „Postwachstumsökonomie – zwei Wege führen nach Rom

Erklär-Video

Nettes Erklär-Video zum Thema Low-Profit, erstellt von Adriana Friederich an der Uni Lüneburg

Was kommt nach der Nullzinspolitik?

Bild: Kiefer EZB 2014

Seit der Finanzkrise 2007/08 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen kontinuierlich gesenkt, im März 2016 auf 0%. Die Nullzinspolitik ist unter Ökonom/innen umstritten. Inzwischen mehren sich Stimmen in Wirtschaft und Politik, die eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität fordern. Doch was kommt nach der Nullzinspolitik?

Überschreitet die EZB ihre Kompetenzen?

An der Nullzinspolitik ist vor allem Eines umstritten: ob die EZB auf diese Weise eine aktive Konjunkturpolitik betreiben darf oder nicht. Die Befürworter/innen argumentieren: Wenn Unternehmen günstige Kredite erhalten, dann können diese mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen. Kritiker/innen halten dagegen, dass es nicht Aufgabe der EZB sei, die Wirtschaft anzukurbeln, dafür seien die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten zuständig (Ministerrat und Kommission). Diese verlassen sich bislang einfach auf die EZB und deren Politik des billigen Geldes, anstatt sich selbst um eine progressive Wirtschafts- und Fiskalpolitik zu bemühen.

„Was kommt nach der Nullzinspolitik?“ weiterlesen

Geld, Geldanlage, Zinsertrag

Christine und Hagen Graf

Die Begriffswelt der Geld- und Finanzwirtschaft erscheint vielen unklar und verwirrend. Wenn von Geld, Geldanlage, Kredit und Zinsen die Rede ist, dann tun sich sehr bald Verständnisprobleme auf. Eine korrekte Definition und Verwendung der Begriffe ist allerdings Voraussetzung dafür, geld- und finanzwirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zwischen Geld und Geldanlage unterscheiden

Der Begriff Geld umfasst im engeren Sinne Münzen, Banknoten und Girokonten und dient dem Zahlungsverkehr. Wenn man sein Geld auf der Bank anlegt, dann ist dies eine Geldanlage, die in der Regel mit einem Zinsertrag verbunden ist. Der Zinsertrag erfüllt gleich zwei wichtige Zwecke. Die Leute legen das Geld, das sie nicht für Zahlungszwecke benötigen, auf der Bank an. Die Bank verbucht dies als Spareinlage und vergibt im Gegenzug Kredite an andere Wirtschaftsteilnehmer.

Die Reichen werden immer reicher

Doch leider hat die heutige Geld- und Kreditwirtschaft auch gravierende Nachteile. Personen mit hohen Geldvermögen werden durch Zins- und Zinseszins immer reicher. Dies ist eine Systemeigenschaft der Geldwirtschaft und geschieht ganz von selbst, ohne Zutun der Vermögenden. „Geld, Geldanlage, Zinsertrag“ weiterlesen

Zur Rhetorik der Green Economy

 

Workshop auf der Grünen Sommerakademie 2017 „Macht und Sprache“ vom  24.-27. August in Tainach / Kärnten

Das UN-Umweltprogramm UNEP hat im Jahr 2008 den Begriff Green Economy ins Leben gerufen. Die Initiatoren haben sich auf die Fahnen geschrieben, die globale Wirtschaft sozial und ökologisch zu transformieren. Das UNEP empfiehlt eine Reihe von politischen Maßnahmen, Instrumenten und Rahmenbedingungen, die Regierungen und internationale Institutionen dabei unterstützen sollen, einen energie- und ressourceneffizienten Pfad einzuschlagen und die Sustainable Development Goals (SDG) umzusetzen.

Die Protagonisten der Green Economy stellen die neoliberale Dogmatik – Markt, Wettbewerb, Wachstum – nicht in Frage. Im Gegenteil: Sie behaupten, grüne Investitionen könnten dazu beitragen, dass Unternehmen profitabel und wettbewerbsfähig sind „Zur Rhetorik der Green Economy“ weiterlesen

Mit der Geldwirtschaft verhält es sich wie mit einem Pferd

Ein gut dressiertes Pferd muss sowohl traben als auch still stehen können und beides möglichst folgsam und auf Anweisung der Reiterin. Auch das Geld erfüllt zwei Funktionen: Zum Einen dient es als Zahlungsmittel und zum Anderen als Geldanlage. Geld, das seine Zahlungsfunktion erfüllt, gleicht einem trabenden Pferd, und eine Geldanlage gleicht einem Pferd, das still steht.

Die verschiedenen Geldfunktionen

Bild: Sofie Dittmer

Geld fungiert zunächst als Zahlungsmittel in Form von Bar- und Giralgeld. Es erfüllt überall dort Zahlungsfunktion, wo Transaktionen getätigt werden, d. h. wo gekauft und verkauft wird. Geld geht von Hand zu Hand, läuft um, vergleichbar mit einem trabenden Pferd. Geldanlagen hingegen sind Spareinlagen wie Tages- und Festgeldkonten und sichere Staatsanleihen, vergleichbar mit einem Pferd, das still steht.

Mit einem Pferd, das nur herumsteht, ist keinem gedient. Ebenso verhält es sich mit Geldern, die unproduktiv auf Bankkonten parken. Das sind vor Allem kurzfristige Anlagen auf dem Geldmarkt, z. B. Tagesgeldkonten, auf die man praktisch jeden Tag zugreifen kann. Diese Gelder kann die Bank nicht so ohne Weiteres langfristig verleihen und fehlen der Realwirtschaft für langfristige Investitionen.

Geldanlagen höher besteuern

Eine erfahrene Reiterin wird ein stehendes Pferd am Zügel führen, damit es sich in Bewegung setzt. In diesem Sinne kann auch der Staat Maßnahmen ergreifen, um parkende Gelder wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen. „Mit der Geldwirtschaft verhält es sich wie mit einem Pferd“ weiterlesen

Das Nachhaltigkeitsschema Matrjoschka

Mit einer russischen Puppe (Matrjoschka) kann man die Finanzwirtschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt als ineinander geschachtelte Bereiche darstellen.

Die Finanzwirtschaft bildet den Kern und ist Teil der Wirtschaft. Die Finanzwirtschaft sollte sich an der Realwirtschaft orientieren und nicht durch Zinsen und Kapitalrenditen eine exponentielle Eigendynamik entfalten.

Die Wirtschaft wiederum ist Teil der Gesellschaft. Der Staat setzt die Rahmenbedingungen, damit sich die Wirtschaft am Gemeinwohl orientiert. Wirtschaft und Gesellschaft sind schließlich Teilmengen der Umwelt und sollten sich innerhalb deren Grenzen bewegen.

Mehr dazu, siehe “Low-Profit – Ökonomie mit Ökologie versöhnen“

Der Low-Profit Case for CSR

Es liegt nahe, den Begriff Low-Profit an Nachhaltigkeitskonzepte zu koppeln, z. B. an CSR (Corporate Social Responsibility), SRI (Socially Responsible Investment), ESG (Environment, Social, Governance) sowie an nationale und internationale Normen, Leitlinien und Regelwerke (SDG, UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, UN Global Compact, ILO Kernarbeitsnormen, ISO 26000 u. a.).

Low-Profit-Investitionen sind aus klassischer, betriebswirtschaftlicher Sicht unwirtschaftlich und daher auf staatliche Förderung angewiesen. Dazu braucht es ganz neue, einheitliche und verwaltungsarme CSR-Förderregime und verbindliche Förderrichtlinien. Ziel der staatlichen Förderung ist es, dass Unternehmen über den Bankable Business Case hinaus ein zusätzliches CSR-Potenzial ausloten und erschließen, indem sie innovative CSR-Maßnahmen auf Low-Profit-Basis umsetzen.

Um die Finanzierung von Low-Profit-Investitionen mit Hilfe staatlicher Förderungen nicht einfach auf eine gesamtgesellschaftliche Ebene zu verlagern bedarf es einer aufkommensneutralen Gegenfinanzierung durch neue Steuern. In Frage kommen umwelt- und vermögensbezogene Steuern. Der Low-Profit Case for CSR eröffnet demnach einen gesellschaftspolitischen Diskurs über Steuern, Subventionen und strenge soziale und ökologische Standards, nach denen die Förderungen vergeben werden.

Die Abbildung zeigt den Low-Profit Case for CSR. Im Zentrum steht das Unternehmen, das innovative CSR-Maßnahmen setzt und einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Eine staatliche Behörde überprüft dies und bewilligt daraufhin Förderkredite, um das Unternehmen finanziell zu unterstützen. Auf diese Weise schafft man einen langfristigen und planbaren Rahmen für jene Unternehmen, die nachhaltig ausgerichtet sind. Das Schöne daran ist, dass es den Unternehmen freigestellt ist, sich für CSR zu engagieren. Wenn sie es tun, dann sollten sie auch mit staatlicher Unterstützung rechnen können.